{"id":1085,"date":"2021-11-12T13:19:59","date_gmt":"2021-11-12T13:19:59","guid":{"rendered":"https:\/\/www.koinet.aegyptologie.uni-muenchen.de\/?p=1085"},"modified":"2021-12-26T16:42:34","modified_gmt":"2021-12-26T16:42:34","slug":"elementor-962-3-3","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.koinet.aegyptologie.uni-muenchen.de\/en\/elementor-962-3-3\/","title":{"rendered":"Vergraben im M\u00fcll"},"content":{"rendered":"<h2>Wenn das Warten sich lohnt<\/h2>\n<p>Auf meinem kurzen Forschungsaufenthalt im November bewies ich einmal wieder, warum ich Philologe und nicht Arch\u00e4ologe bin. Obwohl mir zumindest auffiel, dass die Kalenderhane Moschee einmal eine byzantinische Kirche gewesen war, reichte es mir bei unserer ersten Begegnung, sie in Gedanken kurz mit meinem Geschichtswissen zu verbinden und dann weiter nach der U-Bahn zu suchen.<\/p>\n<p>Sogar f\u00fcr ein Foto war ich zu tr\u00e4ge, nur die r\u00e4tselhafte steinerne Planke in der Fassade war mir die M\u00fche wert.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"602\" height=\"802\" src=\"https:\/\/www.koinet.aegyptologie.uni-muenchen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/BildLilliKOINet.png\" alt=\"\" srcset=\"https:\/\/www.koinet.aegyptologie.uni-muenchen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/BildLilliKOINet.png 602w, https:\/\/www.koinet.aegyptologie.uni-muenchen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/11\/BildLilliKOINet-225x300.png 225w\" sizes=\"auto, (max-width: 602px) 100vw, 602px\"><\/p>\n<p>Zugegeben erinnert sie ja schon ein wenig an alte Piratenfilme \u2013 nur fehlt das Meer, wenn hier mal einer \u00fcber die Planke gehen muss.<\/p>\n<p>Das wirklich interessante war aber darunter. Rechts von der Planke befindet sich eine neue, schwere Metallt\u00fcre, die mir so gar nicht auffiel. Zugegeben war der M\u00fcll, den Passanten achtlos \u00fcber den Zaun warfen, etwas ablenkend und nichts, was ich in dem Moment fotografieren wollte. Vielleicht sollte ich doch \u00f6fter an das nichtexistierende Sprichwort denken: Dem einen seine M\u00fcllgrube ist dem Arch\u00e4ologen seine Fundgrube. Als Nicht-Arch\u00e4ologe sah ich nur den M\u00fcll und ging weiter.<\/p>\n<p>Unerwartet fand ich mich dann ein paar Tage sp\u00e4ter schon wieder bei einer privaten F\u00fchrung vor dieser Moschee ein. Wir fingen an, herumzustehen und nichts geschah. Auf meine Frage, worauf wir genau warteten, wurde mir gesagt: Da ist eine Kapelle.<\/p>\n<p>Um das Coronarisiko einzuschr\u00e4nken wurden wir in zwei Gruppen geteilt. Ich wartete mit der zweiten und als sie dann wiederkamen, fragte ich im Scherz: \u201eUnd? Ist es das Warten wert?\u201c<\/p>\n<p>Die verdiente Antwort darauf war: \u201eFind es selbst heraus\u201c<\/p>\n<p>Die Geschichte, die ich dann entdeckte, war faszinierend: Jahrelang hatte man die Kapelle als Lagerraum f\u00fcr die Moschee verwendet, dann war sie wohl leer gestanden, bis sich einige Gefl\u00fcchtete dort einquartierten. Unserem Kapellenf\u00fchrer war sie schon davor aufgefallen, aber es kostete ihn einige \u00dcberredungskunst, nicht nur die unoffiziellen Bewohner loszuwerden, sondern auch eine T\u00fcr anbringen zu lassen, um sie vor Vandalismus zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Jetzt braucht man jemanden mit einem Schl\u00fcssel, aber wenn man wie ich Gl\u00fcck hat, dann kommt man hinein. Drinnen riecht es nach feuchten, alten Ziegeln und es hallt ein wenig in den vielen kleinen Winkeln und Nischen, wenn man redet. Aber eigentlich fl\u00fcstert man, weil diese ehemalige Lagerhalle einer dieser Orte ist, die ein Fl\u00fcstern verlangen, selbst wenn die gemalten Ikonen l\u00e4ngst keine Augen mehr haben um vorwurfsvoll zu starren.<\/p>\n<p>Was die historischen Mutma\u00dfungen zur Kapelle angeht \u2013 ich war zugegeben ablenkt von ihrem Inhalt. Es sind also Angaben ohne Gew\u00e4hr, wenn ich sage: Es waren westliche M\u00f6nche, die sie urspr\u00fcnglich errichtet haben, aber sp\u00e4ter wurde sie von Byzantinern ausgeschm\u00fcckt. Das \u201evon den Byzantinern ausgeschm\u00fcckt\u201c f\u00fchrt mich dann zu meinem Problem: Es war ablenkend, zu versuchen, die Gem\u00e4ldereste zu erkennen und die Beschriftungen zu entziffern. Auff\u00e4llig ist vor allem, dass besonders die Gesichter besch\u00e4digt sind. Aber auch wenn nur \u00dcberreste erhalten sind, kann man sich doch die beeindruckenden Farben und Verzierungen vorstellen.<\/p>\n<p>Ich war begeistert und endlich bereit, Fotos zu machen.<\/p>\n<p>Und als ich dann bei meiner R\u00fcckkehr gefragt wurde: \u201eUnd? War es das wert?\u201c \u2013 Konnte ich lachend antworten: \u201eDefinitiv!\u201c<\/p>\n<p>Lilli H\u00f6lzlhammer<\/p>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.koinet.aegyptologie.uni-muenchen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/IMG-20211215-WA0019-225x300.jpg\" alt=\"IMG-20211215-WA0019\"><\/figure>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.koinet.aegyptologie.uni-muenchen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/IMG-20211215-WA0020-225x300.jpg\" alt=\"IMG-20211215-WA0020\"><\/figure>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.koinet.aegyptologie.uni-muenchen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/IMG-20211215-WA0024-225x300.jpg\" alt=\"IMG-20211215-WA0024\"><\/figure>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.koinet.aegyptologie.uni-muenchen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/IMG-20211215-WA0025-225x300.jpg\" alt=\"IMG-20211215-WA0025\"><\/figure>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.koinet.aegyptologie.uni-muenchen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/IMG-20211215-WA0022-300x225.jpg\" alt=\"IMG-20211215-WA0022\"><\/figure>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.koinet.aegyptologie.uni-muenchen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/IMG-20211215-WA0018-225x300.jpg\" alt=\"IMG-20211215-WA0018\"><\/figure>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.koinet.aegyptologie.uni-muenchen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/IMG-20211215-WA0023-225x300.jpg\" alt=\"IMG-20211215-WA0023\"><\/figure>\n<figure><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.koinet.aegyptologie.uni-muenchen.de\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/IMG-20211215-WA0021-225x300.jpg\" alt=\"IMG-20211215-WA0021\"><\/figure>\n<p>Zur\u00fcck<br \/>\nWeiter<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn das Warten sich lohnt Auf meinem kurzen Forschungsaufenthalt im November bewies ich einmal wieder, warum ich Philologe und nicht Arch\u00e4ologe bin. 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